| | | | Abstracts: Jahrgang 53, Heft 2/2007 | | |
| Nils C. Bandelow |
| Der Dritte Weg in der britischen und deutschen Gesundheitspolitik: Separate Reformpfade trotz ideologischer Nähe? |
| Strategien des Dritten Wegs waren in Großbritannien und Deutschland gleichermaßen Leitbild gesundheitspolitischer Reformen. In der konkreten Ausgestaltung verfolgten beide Länder aber unterschiedliche Ziele. Die ideologische Nähe zwischen den Regierungen Blair und Schröder führte in der Gesundheitspolitik weder zu konvergierenden noch zu analogen Politikergebnissen. Selbst die wechselseitige Bezugnahme zwischen den beiden führenden europäischen Vertretern des Dritten Wegs zur Legitimation eigener gesundheitspolitischer Strategien beschränkte sich weitgehend auf allgemeine Überzeugungen und berücksichtigte nur in Ausnahmefällen auch konkrete Policy-Instrumente.
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| Bernd Dollinger |
| Sozialpolitik als Instrument der Lebenslaufkonstitution - Argumente für eine Perspektivenveränderung |
| Der Beitrag thematisiert eine veränderte Konzeptualisierung von "Sozialpolitik". In einem ersten Schritt wird die Perspektive aufgenommen, sozialpolitische Interventionsstrategien als Mittel der Konstitution von Lebenslaufmustern zu betrachten. In einem zweiten Schritt wird die hieraus abzuleitende (Problem-) Beziehung der Gewährleistung individueller und kollektiver Wohlfahrt diskutiert. Sie stellt bei der Analyse der aktuellen Sozialpolitik ein ebenso relevantes wie brisantes Themenfeld dar, wie der wachsende Einsatz von Negativsanktionierungen als sozialpolitisches Interventionsinstrumentarium verdeutlicht. Um dies angemessen reflektieren und empirisch rekonstruieren zu können, wird dafür plädiert, kriminalpolitisches Handeln in sozialpolitischer Funktionalität zu rezipieren. Durch eine entsprechend veränderte Sichtweise wird deutlich, dass (derzeit) die Sicherung und "investive" Allokation gesellschaftlicher Ressourcen als dominierendes Leitbild sozialpolitischer Steuerung fungiert, während sozialer Ausschluss bereitwilliger als früher in Kauf genommen zu werden scheint. Diese Gesamtperspektive widerspricht zwar einer "tradierten" Sicht auf Sozialpolitik, ermöglicht aber einen Blick auf das tatsächliche Spektrum lebenslaufkonstitutiver Maßnahmen der Sozialpolitik - ein Blick, der angesichts empirischer Befunde notwendig ist.
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| Stephan Köppe |
| Mainstreamkonvergenz und Geschlechterdifferenz. Die deutsche und schwedische Rentenreform im Vergleich |
| Die aktuellen Veränderungen der Rentensysteme wurden als konvergente Entwicklungen beschrieben, wobei nur der Wandel in den Bereichen Indexierung, Regelaltersgrenze oder die Schaffung einer kapitalgedeckten Altersvorsorge untersucht wurde. Der Wandel erscheint aber in einem anderen Licht, wenn systematisch Geschlechterunterschiede in die Analyse einbezogen werden. In dem Aufsatz werden die Rentenreformen in Deutschland (2001) und Schweden (1998) mit einem Fokus auf deren Geschlechterregime verglichen, dabei werden vier Vergleichsdimensionen (Stratifizierung, Autonomer Haushalt, Anerkennung und Externalisierung von Erziehungsarbeit und Auszahlung und Erwerb der Leistungsberechtigung) verwendet. Der Vergleich zeigt, dass die Konvergenz-Hypothese nur auf die Regelungen zutrifft, die keinen Einfluss auf die Geschlechterregime haben. Die Geschlechterregime Deutschlands und Schwedens bleiben im Gegenteil überaus stabil, sodass von einer konvergenten Stabilität gesprochen werden kann. Starke Pfadabhängigkeiten prägen damit Veränderungen im Bereich der geschlechterrelevanten Rentenregelungen.
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| Jonas Grauel, Annette Spellerberg |
| Akzeptanz neuer Wohntechniken für ein selbstständiges Leben im Alter - Erklärung anhand sozialstruktureller Merkmale, Technikkompetenz und Technikeinstellungen |
| In diesem Beitrag werden die Ergebnisse einer Pilotstudie zur Akzeptanz von Assisted-Living-Technik für Ältere vorgestellt. Für 18 Wohntechniken und sechs Internetanwendungen werden die Nutzungsbereitschaft beschrieben und Einflüsse von sozialstrukturellen Merkmalen, Technikkompetenz und Technikeinstellungen zur Erklärung der Akzeptanz neuer Wohntechniken untersucht. Datenbasis ist eine standardisierte Befragung von Mietern aus Mainz, die älter als 60 Jahre sind (n=383). Die wichtigsten Befunde sind: Erstens variiert die Akzeptanz in unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen nach einzelnen Techniken und Anwendungen. Zweitens ist die Nutzungsbereitschaft für neue Wohntechnik innerhalb der Gruppe der Über-60-Jährigen bei älteren Kohorten nicht geringer als bei jüngeren Kohorten. Drittens ist die tatsächliche Technikkompetenz, besonders im Umgang mit Computer und Internet, für die Akzeptanz mindestens so bedeutsam wie die soziale Lage.
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