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Abstracts: Jahrgang 56, Heft 1/2010
 
Angela Luci
Finanzielle Unterstützung von Familien in Deutschland und Frankreich. Hat Frankreich für erwerbstätige Mütter die Nase vorn?
Obwohl Deutschland und Frankreich in ökonomischer, politischer und institutioneller Hinsicht im Vergleich zu anderen europäischen Ländern viel Ähnlichkeit aufweisen, sind in Deutschland die Geburtenraten und die Vollzeit-Erwerbstätigkeit der Frauen wesentlich niedriger als in Frankreich. Die Ursachen hierfür werden oftmals dem in Deutschland im Vergleich zu Frankreich unzureichenden System staatlicher Kinderbetreuung zugewiesen. Vorliegender Artikel zeigt jedoch, dass auch Unterschiede im System finanzieller Unterstützung von Familien wesentlich dazu beitragen, dass in Deutschland Beruf und Familie schwieriger zu vereinbaren sind als in Frankreich. Der Artikel beschreibt die wesentlichen Unterschiede der vier Hauptinstrumente finanzieller Unterstützung von Familien in beiden Länder (Pauschalzuschüsse für Kinder, finanzielle Unterstützung der Elternzeit und der Kinderbetreuung, Besteuerung des Familieneinkommens) und veranschaulicht, wie das Zusammenwirken dieser Instrumente dazu führt, dass in Deutschland Mütter wesentlich mehr aus dem Erwerbsleben gedrängt werden als in Frankreich.
 
Heidi Oschmiansky
Wandel der Erwerbsformen in einem Frauenarbeitsmarkt. Das Beispiel "Altenpflege"
Seit den achtziger Jahren sind in Deutschland zunehmend mehr Menschen in "atypischen" Erwerbsformen jenseits des "Normalarbeitsverhältnisses" tätig. Dieses ist definiert als abhängige, unbefristete Vollzeitbeschäftigung. In dem Beitrag wird zum einen empirisch untersucht, ob sich auch im Altenpflegearbeitsmarkt ein forcierter Wandel der Erwerbsformen gezeigt hat. Zum anderen wird nach den Anreizen zur Ausweitung der atypischen Beschäftigung seitens der Arbeitsmarkt- und Pflegepolitik gefragt. Die Analyse zeigt, dass sich der Beschäftigungsaufbau in der Altenpflege überwiegend in Form von "atypischen" Erwerbsformen vollzogen hat, dass der Wandel der Erwerbsformen im Altenpflegebereich zum Teil intensiver ist als im allgemeinen Arbeitsmarkt und dass Frauen stärker vom Rückgang der Vollzeitbeschäftigung betroffen sind als Männer. Pflege- und Arbeitsmarktpolitik haben zu dieser Entwicklung beigetragen.
 
Tim Köhler-Rama, Albert Lohmann, Holger Viebrok
Vorschläge zu einer Leistungsverbesserung bei Erwerbsminderungsrenten aus der gesetzlichen Rentenversicherung
Die langfristige Absenkung des Leistungsniveaus in der gesetzlichen Rentenversicherung und die Anhebung der Altersgrenzen wirken sich auch auf die Erwerbsminderungsrenten aus. Dies stellt ein sozialpolitisches Problem dar, weil erwerbsgeminderte Personen Leistungseinschränkungen weder durch eine Verlängerung der Erwerbsphase noch - insbesondere bei einem Eintritt der Erwerbsminderung in jungen Jahren - durch verstärkte private Vorsorge kompensieren können. Dieser Beitrag vergleicht vor diesem Hintergrund verschiedene Möglichkeiten zur Anhebung der Leistungen bei Erwerbsminderung im Hinblick auf ihre Einkommenswirkungen. Dabei zeigt sich, dass die Höherbewertung der so genannten Zurechnungszeit eine effiziente Maßnahme darstellt, weil auf diese Weise mit einem relativ geringen Kostenaufwand die Armutsgefährdung des betroffenen Personenkreises wirksam reduziert werden könnte.
 
Dirk Meyer
Ausschreibungen und personengebundene Budgets als neue Steuerungsmodelle in der Sozialwirtschaft. Plädoyer für die Ausweitung von Marktkonzepten bei sozialen Diensten
Vor dem Hintergrund der hohen volkswirtschaftlichen Bedeutung des Sozialsektors hinsichtlich seiner sozialpolitischen Funktion, der Bereitstellung von Arbeitsplätzen und seinem Beitrag zur Wertschöpfung steht die Forderung nach einer effizienten und bedarfsgerechten Versorgung. Der Beitrag stellt dem vielfach noch vorherrschenden korporatistischen System mit Sachleistungsprinzip, Bedarfsplanung und Objektförderung eine wettbewerblich-marktliche Steuerung gegenüber. Ein personengebundenes Budget und die Vergabe durch Ausschreibungen werden als alternative Steuerungsformen diskutiert sowie deren flexible Ausgestaltung und Grenzen anhand von Fallbeispielen illustriert.
 
Tobias Hackmann, Stefan Moog
Pflege im Spannungsfeld von Angebot und Nachfrage
Von den heute ca. 2 Mio. Pflegefällen wird etwa die Hälfte durch Angehörige (informell) in den eigenen vier Wänden versorgt. Unter Berücksichtigung der demografischen Alterung der Gesellschaft, einer steigenden Erwerbsbeteiligung der Frauen sowie einem zunehmendem Anteil allein lebender Personen im Alter stellt sich die Frage, welche Rolle die informelle Pflege in Zukunft noch zu leisten im Stande ist. Vor dem Hintergrund einer Verdopplung der Pflegefälle bis zum Jahr 2050 zeigt der vorliegende Beitrag auf, dass der Anteil an informeller Pflege in Zukunft immer weiter zurück- gedrängt wird. Demgegenüber werden professionelle Pflegeleistungen durch ambulante sowie stationäre Anbieter künftig deutlich an Bedeutung gewinnen. Diese Entwicklung wird zu einem Nachfrageanstieg an professionellen Pflegekräften führen, weshalb sich der Pflegesektor zu einem der "Beschäftigungsmotoren" in Deutschland entwickeln könnte.