| | | | Aktuelle Ausgabe: Heft 2, Jahrgang 56 (2010) Schwerpunkt: Globale Sozialpolitik | | |
| Bob Deacon |
| Theorising Global Social Policy. Globale Sozialpolitikforschung und Weltgesellschaftsforschung |
| In diesem Beitrag wird gefragt, wie globale Sozialpolitikforschung und Weltgesellschaftsforschung zum Verständnis der Globalisierung von Sozialpolitik beigetragen haben. Die beiden Forschungsrichtungen werden vorgestellt und miteinander verglichen. Dies mündet in Überlegungen, wie die beiden Richtungen sinnvoll miteinander in Einklang gebracht werden können, um die Analyse globaler Sozialpolitik zu verbessern. Der vorgeschlagene theoretische Rahmen beinhaltet eine Verbindung der Kategorien agency, Struktur, Institution und Diskurs. |
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| Lutz Leisering, Liu Tao |
| Globale Wissensdiffusion in der Sozialpolitik. Die Einführung einer Arbeitsunfallversicherung in der Volksrepublik China |
| Derzeit wird die 1884 geschaffene deutsche Arbeitsunfallversicherung in Grundzügen nach China exportiert. Damit findet auch die Idee individueller sozialer Rechte in China Eingang, obwohl sie weder in der konfuzianischen noch der sinokommunistischen Tradition verankert ist. Der Beitrag zielt darauf, diesen unwahrscheinlichen Policy Transfer im Lichte des Konzepts globaler Wissensdiffusion zu beschreiben und zu erklären. Allgemeiner wollen wir zu der Frage beitragen, wieweit Sozialpolitik heute bereits globalisiert ist. Auf der Basis eigener Erhebungen, darunter Interviews mit den Hauptakteuren, zeigen wir, dass das Konzept der Unfallversicherung Teil der Weltpolitik und der Weltkultur geworden ist; dass die Einführung der Unfallversicherung in China tatsächlich ein wesentlich von außen konstruierter Prozess, also Ergebnis globaler Wissensdiffusion ist; und dass einzelne Felder der Sozialpolitik (wie Unfall, Alter und Gesundheit) in unterschiedlichem Ausmaß und auf unterschiedliche Weise ‚globalisiert" sind. Der Fall der Unfallversicherung bestätigt also Deacons These der Entstehung globaler Sozialpolitik und differenziert sie zugleich. |
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| Miriam Abu Sharkh |
| Warum ratifizieren Länder internationale Kinderarbeitskonventionen? Eine Ereignisanalyse der Ratifizierung des "Übereinkommens über das Mindestalter für die Zulassung zur Beschäftigung" (ILO-Konvention Nr. 138) |
| Der Beitrag untersucht anhand einer Ereignisanalyse von 1973 bis 2005, weshalb Länder die Konvention Nr. 138 der Internationalen Arbeitsorganisation ratifizieren, die Kinderarbeit untersagt. Die Ratifizierung internationaler Konventionen ist bedeutsam, da sie eine Anerkennung weltgesellschaftlicher Normen darstellt. Die Konvention gegen Kinderarbeit ist besonders interessant, weil sie sehr konkrete Anforderungen an die Länder stellt, ihre Arbeitsmarktgesetze und -strukturen zu verändern und somit sozioökonomische Kosten nach sich ziehen kann. Weltgesellschaftliche Argumente des Neoinstitutionalismus der Stanforder Schule bestätigend, wird quantitativ-empirisch gezeigt, dass die Ratifizierung wenig von ökonomischen Merkmalen eines Landes oder dessen außenpolitischem Kalkül geprägt wird, wie es die Entwicklungsliteratur und die realpolitische Perspektive der Internationalen Beziehungen nahe legen. Vielmehr prägen globale Diskurse und Initiativen, die durch weltweit agierende Organisationen in die Länder getragen werden, nationalstaatliches Ratifizierungsverhalten nachhaltig. Wesentlich hierfür sind die organisatorische Einbindung eines Staates in die Weltgesellschaft und weltgesellschaftliche Ereignisse. Es zu folgern, dass UN-Organisationen und Konferenzen sowie NGO-Aktivitäten nicht als "talk shops" abzutun sind, sondern die Anerkennung weltgesellschaftlicher Normen durch Staaten erheblich vorantreiben können. |
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| Ursula Mühle |
| Unternehmen in der globalen Sozialpolitik - zur Theorie und Empirie der Corporate Social Responsibility |
| In den letzten 10 Jahren hat sich die soziale Verantwortung von Unternehmen (CSR) globalisiert. In meinem Artikel zeichne ich diese Globalisierung anhand einer eigenen empirischen Untersuchung nach. Ich frage danach, welche Rolle Unternehmen heute in einer globalen Sozialpolitik spielen und wie diese Sozialpolitik adäquat systematisiert und erklärt werden kann. Anhand einer institutionalistischen Perspektive zeige ich, dass sich auf globaler Ebene ein globaler Sozialsektor herausbildet, der dem nationalen Sozialsektor (Kaufmann 1997) ähnelt. Unternehmen übernehmen darin eine noch stärkere Rolle, wie bereits auf nationaler Ebene. Die Erfolgsbedingungen der Globalisierung von CSR und der Herausbildung des Sozialsektors erkläre ich mit Hilfe von konstruktivistischen und rationalen Ansätzen. |
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| Ingo Bode |
| Management- oder Systemversagen? Qualitätsdifferenzen und Governance-Konstellationen im deutschen Pflegeheimsektor |
| Qualitätsdifferenzen in Einrichtungen der stationären Altenpflege werden gegenwärtig vermehrt thematisiert und zum Gegenstand regulatorischer Interventionen. Der dabei vorherrschende Steuerungsansatz basiert zumindest implizit auf der Annahme, dass solche Differenzen maßgeblich auf lokales Managementversagen zurückzuführen sind und durch erhöhten Kontroll- und Wettbewerbsdruck auf Pflegeheime vermindert oder gar aufgehoben werden könnten. Wie der vorliegende Beitrag in wohlfahrtsmarkt- wie organisationstheoretischer Perspektive argumentiert, verkennt dieser managerialistischen Leitbildern verpflichtete Ansatz allerdings die komplexen lokalen Produktionsvoraussetzungen des Pflegesektors. Im Rekurs auf Befunde zweier In-Depth-Fallstudien lässt sich plausibilisieren, dass die "Qualitätsperformance" häufig nicht hausgemacht ist und im Hinblick auf die Hartnäckigkeit von Qualitätsdifferenzen eher ein Systemversagen vorliegt. |
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